Wie ich zum Schreiben kam

Das ich Zeug schreibe, war bei mir schon immer ein Thema. Als ich allerdings in der zweiten Klasse, als ich an einer internationalen Schule in China war, mein erstes Buch im Unterricht geschrieben hatte, dachte ich noch keine Sekunde daran, dass ich wirklich einmal Bücher schreiben will. Das Buch hieß „Diary of a Honey Bee“ und handelte im wesentlichen vom nicht realitätsgetreuen Alltag einer Honigbiene in einem außergwöhnlich aufgemotzten Bienenstock mit Discoraum. Auf Englisch.

Als ich dann in Deutschland war, hatte ich ganz andere Sorgen, nämlich, Diktate. An der internationalen Schule hatte ich nämlich überhaupt nicht Groß- und Kleinschreibung gelernt. Außerdem fand ich Deutschland an vielen Ecken etwas trist zu meinem vorherigen sonnigen Leben an der Hangzhou International School. Besonders schwierig war es, Spielkameraden zu finden. Also spielte ich lieber mit meinen Gedanken, Lego und Barbies, las jede Menge Bücher und verbrachte meinen Ta damit, die Hausaufgaben so lange aufzuschieben, bis es dunkel war. Die Bücher, die ich las, fand ich toll und wünschte mir immer, sie wären wirklich wahr.

Eigentlich wusste ich, dass die Welt in Wirklichkeit vollkommen unmagisch war, aber es war auch keiner, der mich wirklich an der Hand nahm, um mir zu zeigen, wie schön doch eigentlich die Realität war. Immer, wenn ich tatsächlich einmal draußen war, hattte es doch etwas mit Geschichten zu tun. So-tun-als-ob-Spiele mit meinem Bruder und meiner Cousine (auch wenn es mit meiner Cousine fast IMMER Vater-Mutter-Kind war) oder Ausflüge ins Legoland. Rollenspiele in der Ferienfreizeit fallen mit da noch ein (nicht so professionell mit Kostümen und Masken, wie das die Erwachsenen machen würden, sondern mit herumliegenden Stöcken im Wald als Schwertern und mit den Eichelhülsen auf dem Boden, die wir als Währung verwendeten).

Ich war sehr gut darin, aus allem eine Geschichte zu machen und immer in der Welt um mich herum fantastische Dinge zu sehen. Wenn ich allein war, konnte ich oft auch einfach dasitzen und meine eigene Welt kreieren. Ich wollte eines Tages Pilotin, Raumfahrerin, Abenteuererin (Indiana Jones oder so) oder Fee werden. Aber ich dachte, das würde ich doch sowieso nie werden. Außerdem wusste ich, dass so etwas in der echten Welt langweiliger war, als es klang. Ich war schon auf Reiterhöfen gewesen und hatte festgestellt, dass es überhaupt nicht so war, wie es im Wendy Magazin drinstand.

Ich wusste auch so ein paar Sachen, wie, dass es schwierig ist, mit einer Brille Pilotin zu werden, dass man als Raumfahrerin gut rechnen können muss und überlegte mir auch, dass es als Archäologin doch langweilig sein muss, ständig nur Sachen auszugraben. Und dass es keine Feen gibt. Ja, ich wusste es eigentlich ganz genau, aber ich tat immer so, als gäbe es sie wirklich, bloß machte es das nur umso frustrierender für mich, weil ich mich fragte, warum ich nie welche sah. Dann las ich von der Schriftstellerin Cornelia Funke und vom Cornelia Funke Schreibwettbewerb, an dem junge Schreiberlinge teilnehmen konnten und eine Geschichte erzählen.

Ich nahm mit einer Geschichte teil, die, im nachhinein betrachtet, richtig schlecht war. Aber das ist auch nicht von Bedeutung. Viel bedeutender ist, wie sehr es mich inspirierte und wie wichtig folgende Erkenntnis für mich war: Geschichten werden geschriebne. Ich kann Geschichten schreiben. Und ich werde vermutlich, kurzsichtig, unsportlich, nicht wirklich wagemutig und vollkommen unmagisch wie ich bin, wahrscheinlich niemals Pilotin, Raumfahrerin, Abenteuerin oder Fee werden, aber ich kann darüber schreiben. Also begann ich in meine Aufsätze jedesmal Elfen, Engel und Prinzessinnen reinzuschmuggeln. Das war in den meisten Fällen überhaupt nicht sinnvoll und die ersten Geschichten, die ich geschrieben habe, beschrieben eine perfekte Welt, waren skurril, sonderbar und selten logisch. Aber ich war neun Jahr alt und hochambitioniert. Ich hatte beschlossen, Schriftstellerin zu werden.

Wie ich zum Bloggen kam

Ich bin zwar ein Büchermensch und schiele noch so ein bisschen misstrauisch auf eBooks (nicht mal wegen des ungewöhnlichen Leseerlebnisses, aber wegen der unklaren Besitzverhältnisses bei ihren Kauf und weil ich finde, dass die eReader noch nicht ausgereift und hübsch genug sind, dass ich mir so ein Ding kaufen würde). Außerdem habe ich mich bis heute geweigert, mich auf Facebook anzumelden. Überhaupt, ich hielt mich nie für einen sonderlich technikaffinen Menschen. Aber ich bin ein Digital Native und mit dem Internet aufgewachsen. Bei mir zu Hause stand schon immer ein Computer und ich hatte mit sechs einen Nintendo DS und mit sieben eine Playstation.

Meiner Erfahrung nach bedeutet Digital Native so gar nicht, dass man irgendwelche Ahnung von Computertechnik hat, im Gegenteil, schließlich sind wir ja da auch schon meist mit WYSIWYG aufgewachsen und haben erst Recht weniger eine Ahnung oder Vorstellung davon, wie eigentlich das, was wir tagtäglich sehen eigentlich auf die Computerbildschirme kommt, welches wir sehen. Das PRINZIP mit den Einsen und Nullen bekommt man schon von der Sendung mit der Maus erklärt, aber wie soll man das wirklich im Zusammenhang verstehen können? Ich dachte immer, man müsste ein ganz schöner Computercrack sein, um irgendwie eine Website erstellen zu können. Den meisten Menschen im Zeitalter sozialer Netzwerke wird es wohl so gehen.

Ich hatte ewig nur ein Nokia Schiebehandy, das ich nie verwendet habe, nicht einmal zum telefonieren. Ich hatte ein kaum frequentierte Emailadresse, auf der ich nur sporadisch schrieb und Antworten bekam. Und ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie man mit einem Computer umgeht. Ich konnte nicht einmal zehnfingrig tippen und wenn ich von irgendetwas aus dem Internet erfuhr, dann von meinen Eltern. Denn selber hatte ich wirklich überhaupt keinen Zugang in die digitale Welt. Ich war meistens nur frustriert davon, wie wenig Wörter ich auf Word am Heimcomputer ich hinbrachte.

In der siebten Klasse haben wir dann zum ersten Mal in der Schule programmiert und zwar mit Scratch. In der Achten bekam ich meinen eigenen Laptop (Netbook, Tablet mit Tastatur, weiß nicht, wie ich das unsägliche Ding, vor dem ich grade hocke nennen soll), begann, mir Musik auf meinen iTunes hochzuladen, sinnlos Bilder auf meinem Laptop hochzuladen und zu sortieren. Und auf Google Drive (damals noch Docs) tippelte ich kleine Geschichten, weil wir keine Lizenz für Office hatten. Ich lud mir kleine Spiele auf meinen Laptop aus dem Windows Store (Ich habe auch versucht, Civilization IV auf dem Laptop zu spielen, aber bei 29 GB Speicherplatz funktioniert das nicht gut. Jap, Festplatten und so. Aber was soll’s, ich kann tatsächlich damit leben) und hatte dann auch später Microsoft Office, mit dem ich dann meinen Kram schrieb. Nicht besonders großartige Sachen, aber ständig irgendwelche Projekte am laufen.

Mein Internet bestand da vor allem aus Google und Wikipedia und war recht arm und klein. Es interessierte mich auch nicht sonderlich, so viel aus dem Internet mitzukriegen. Ich fand es ganz in Ordnung, auch einfach den Tag am Schreibtisch zu verbringen und zu lesen und keine Ahnung von dem zu haben, von dem meine Klassenkameraden oft sprachen. Mehr oder weniger. Hin und wieder hatte ich auch Zweifel an der Entscheidung, aber ich entschied mich eben doch, mich daraus fernzuhalten. Mit der Zeit merkte ich auch, dass diejenigen, die ein Smartphone hatten, gar nicht wirklich die waren, die unbedingt die technikaffinsten Leute waren. Ich halte mich auch heute nicht wirklich für einen Computerexperten, aber wenigstens kann ich wirklich mit Dateien, Ordnern und dem installieren und deinstallieren von Programmen umgehen. Immerhin konnte ich (einigermaßen. Momentan dürften die Kenntnisse aufgrund langer Nichtanwendung wohl etwas eingerostet sein) mit Excel umgehen und das hört sich eigentlich wie ein Witz an, nicht

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